Situation in den Wohnbereichen © R.Awater

Immer weniger Platz für Fahrräder

 

Laut einem Presseartikel (KStA, 23. Feb. 2021) sind von Anfang 2016 bis Ende 2020 in Leverkusen 5.817 zusätzliche PKW zugelassen worden, davon allein im letzten Jahr 1.602. Was bedeutet das für uns Radfahrer?

 

Wir Radfahrer*innen müssen für jeden Quadratmeter Verkehrsfläche kämpfen, der für den Fahrradverkehr genutzt werden kann. Für den Autoverkehr gilt dies hingegen nicht. Jeder PKW darf am Straßenrand abgestellt werden, das ist für die Autofahrer*innen eine Selbstverständlichkeit, dafür bedarf es keiner Zustimmung anderer. Und nur, wenn durch parkende Autos andere behindert werden und dies überhandnimmt, reagiert die Verwaltung mit Park- oder Halteverbotsschildern, deren Beachtung in Leverkusen aber offensichtlich optional ist.

Bestes Beispiel ist vor der Schlebuscher Arkarde, Bergische Landstraße 63. Tagsüber stehen hier immer wieder bis zu vier PKW. Für die Radfahrer*innen wird die Situation hierdurch unübersichtlich und gefährlich. Oft sind die Insassen mit den Gedanken schon bei der Einkaufsliste und öffnen gedankenlos die Türe in den Verkehrsraum (Dooring). Besonders unübersichtlich und eng wird es, wenn auch noch Gegenverkehr kommt. 

Auch in den Wohnstraßen werden immer mehr Autos geparkt, wodurch die Verkehrssituation immer unübersichtlicher wird.
Hauptsache, mein Auto steht vor meiner Haustüre.

  • Die Fußgänger, die Alten, Behinderten, Kinder und Mütter mit Kinderwagen werden sich ihren Weg schon suchen. Und dann passiert es immer wieder, dass zwischen den zum Teil recht großen PKW (SUV) plötzlich Fußgänger auf der Fahrbahn auftauchen, vornehmlich am rechten Fahrbahnrand, dort, wo wir mit dem Rad unterwegs sind. 
  • Ein weiteres Problem mit den am Straßenrand parkenden Autos ist das sogenannte "Dooring". Das bedeutet, dass die Insassen eines KFZ die Türen in den Verkehrsraum öffnen, ohne auf die anderen Verkehrsteilnehmer zu achten. Dies führt immer wieder zu zum Teil schweren Unfällen, weil Radfahrende nicht mehr rechtzeitig ausweichen können und in die Türe hineinfahren. Dies führt dann oft zu schweren Gesichtsverletzungen durch die Türkante. 
  • Das Einkaufen im Internet wird immer beliebter. Dies führt zu deutlich gestiegenem Zulieferverkehr auch in den Wohnbereichen. Durch die oft lückenlos zugeparkten Straßenränder finden die Auslieferungsfahrer, die im Akkord arbeiten, keine Stellplätze am Straßenrand und parken dann in der zweiten Reihe. Dies ist ihnen m.E. kaum zu verdenken, denn spätestens nach der dritten Stelle, wo kein Stellplatz für den Lieferwagen vorhanden ist, steht der Bote vor der Entscheidung ein netter Verkehrsteilnehmer zu sein und lange Fußwege mit den Paketen zu gehen, oder in zweiten Reihe zu parken und so sein Tagespensum zu schaffen. Diese Entscheidung für das eine oder das andere spürt er dann direkt im Geldbeutel. 

Allein im Jahr 2020 sind in Leverkusen 1.602 zusätzliche PKW zugelassen worden. Auch wenn nur 50% davon am Straßenrand geparkt werden, sind hierfür 5 km Straßenrand nötig. Und diese 5 km werden nicht irgendwo benötigt, sondern genau da, wo die Fahrer*innen wohnen, in den heute schon stark frequentierten Wohnstraßen, da, wo sie arbeiten und da, wo sie einkaufen.

Hier ist ein Umdenken aller beim Thema Autoverkehr und Parken dringend erforderlich.

Aber wie?

Den Bewohnern unserer Stadt ist das Auto gegönnt, ich fahre selbst eines. Oft fehlt die Alternative zum Auto, oder ohne Auto ist die Erledigung (noch) unverhältnismäßig aufwändig und teuer. Kurzfristige und radikale Maßnahmen werden nur zu einer unkonstruktiven Verhärtung der Standpunkte der einzelnen Verkehrsteilnehmer führen. Aber "den" Verkehrsteilnehmer gibt es eigentlich gar nicht. Jeder von uns ist mal zu Fuß unterwegs, mal Radfahrer*in, mal mit dem Auto unterwegs, und auch mal mit dem Öffentlichen Nahverkehr.

Von Wortsinn her bedeutet Verkehr die Ortsveränderung von Personen und materiellen Gütern. Um den Verkehr in unserer Stadt flüssig zu halten, darf nicht noch mehr Platz auf den Straßen (kostenlos) zugeparkt werden und somit der Nutzung durch den Verkehr entzogen werden. 

Die Herausforderung ist, diese Überlegungen und die steigende Zahl von PKW in unserer Stadt konstruktiv umzusetzen. Es gibt genug Straße in Leverkusen, bei denen Autos und Fahrräder nicht mehr flüssig fahren können. Die Fortbewegung ist ein permanentes Vorrücken in die nächste Ausweichposition, dann den Gegenverkehr durchlassen, und dann auf zur nächsten Lücke.

Hier fehlt es zum einen an Konzepten zur Lösung und an politischem Mut, den Straßenraum neu zu verteilen und hierbei auch die Fußgänger, die Radfahrenden und die Autofahrenden gerecht zu bedenken. Welcher Politiker möchte sich schon mit der Autolobby und den Autofahrer*innen anlegen? Es kann auf jeden Fall nicht sein, dass nichts wird bzw. nur kosmetische Korrekturen vorgenommenund werden und in den nächsten Jahren der Verkehr durch die schiere Anzahl von parkenden PKW abgewürgt wird.

 

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Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

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    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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